Im Jahre 1893 trat in Preußen das erste Kommunalabgabegesetz in Kraft, das nicht nur den Bau
neuer Straßen, sondern auch den Ausbau bzw. die Verbesserung bereits vorhandener Straßen
regelte. Dieses Gesetz kann als Grundübel unseres heutigen Dilemmas angesehen werden!
Damals wurden neu erschlossene Straßen fast ausschließlich von Fußgängern bzw. von
Pferdefuhrwerken genutzt. Dass sich aus der inzwischen aufkommenden Motorisierung der sog.
Motorwagen entwickeln würde, hat damals sicherlich niemand vorausgesehen! Heute kommen in
Deutschland auf 1000 Einwohner 517 PKW. Dazu kommen unzählige, überwiegend gewerblich
genutzte LKW und Busse.


Das für uns geltende Beitragsrecht hat jedoch keine Rücksicht auf diese Entwicklung genommen,
ganz im Gegensatz zu aktuellen Gerichtsentscheidungen. Auch der Wert des Grundstücks steigt um
keinen Cent (im Gegenteil kann er eher fallen, falls durch die Baumaßnahmen der Durchgangsverkehr
steigt)! Und für diesen “Vorteil“ sollen wir noch bezahlen?


Dass die hessische Landesregierung in ihrer im Mai 2018 beschlossenen Gesetzesänderung wenig Interesse hat etwas zu ändern, liegt auf der Hand und deshalb wird weiter auf die (nicht vorhandenen) Vorteile für alle Grundstückseigentümer verwiesen, ganz als würden wir noch im dritten Jahre nach Bismarcks Abdankung 1890 leben! Im Gegenteil: Die allgemeine Mobilität führt nur dazu, dass Straßen von jedermann genutzt werden können.


Die Zeit ist reif für ein Umdenken!


Querbeet durch alle politischen Lager geht die Angst des demografischen Wandels und der damit
verbundenen Landflucht um.
Man muss keinen Dr. -Titel haben um diese Probleme auch in unserer schönen Gemeinde Heidenrod
zu erkennen: Hohe Kindergartengebühren, die höchsten Wassergebühren Hessens, mangelhafter
Breitbandausbau, schlechte Verkehrsinfrastruktur und schlechte Anbindung an das Rhein-Main-
Gebiet und....... letztendlich die sozial ungerechten Straßenausbaubeiträge aus Bismarcks Zeiten.

Eine Familie hier zu gründen und Eigentum zu besitzen fällt damit fast schon unter den Begriff
“Luxus-Gut“, im Gegensatz beispielweise zur nahegelegen Stadt Wiesbaden. Abgesehen der höheren
Grundstücks-/Immobilienpreise hat man dort die oben genannten Sorgen grundsätzlich nicht: Seit
Jahren niedrige KiGa Gebühren, flächendeckender Internetausbau, Nahverkehr “par excellence“
und.... KEINE sozial ungerechten STRAßENAUSBAUBEITRÄGE!